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Das Huhn Lotte.

Erklärt mich für verrückt, aber ich habe mir heute einen kleinen kitschigen Traum erfüllt – und die Situation ergab sich höchst spontan: Ich habe ein Huhn gestreichelt.

Aber lieber mal in Ruhe von Beginn an.

Der Kühlschrank leer, der Biomarkt verheißungsvoll. Unterwegs an einer Packstation gehalten, um ein Versandstück abzuholen. Diese kleine Packstation befindet sich auf einem großen Parkplatz inmitten einer rüchtüch großen Stadt.

Klein-Katja kramte nach dem gelben Packstation-Zettel, als ihr aus dem Augenwinkel einige Meter abseits des Wagens ein Herr mit pinkem T-Shirt ins Auge stach… der einen gefiederten Gesellen “Gassi führte”.

Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht: Da geht ein Mann mit einem Huhn spazieren. Mitten in der Stadt. Auf einem Parkplatz. Am hellichten Tag. Das Ding läuft fast bei Fuß und guckt und pickt so hier und da. Wie ein Hund, nur mit braunen Federn und zwei statt vier Beinen und Schnabel und ja, gut, so gar nicht wie ein Hund. Egal!

“Entschuldige mich, jetzt muss ich mal weg.” ZACK! Aus dem Auto ‘raus, Mut zusammengenommen und in meinen (in diesem Moment kam ich mir irgendwas zwischen overdressed, tussig, spleenig und geistesgestört vor und es war mir EGAL) High Heels auf den Herrn in Pink zugetapst. “Eeeentschuldigen Sie, äh… ist das Ihr Huhn?”

Ja, war es. Und dann habe ich den netten Menschen schüchtern und nervös wie eine Fünfjährige gefragt, ob er einer kleinen verrückten Frau einen riesengroßen Wunsch aus Kindheitstagen erfüllen würde – ob ich das Tierchen wohl mal… anfassen? Streicheln? Ja? Ja? Huhn plüschen?

ICH DURFTE!!! Ich sage Euch – so entzückend!

Lotte hieß das Wesen, das hat mir der Besitzer verraten. Mehr weiß ich nicht. Aber Lotte hatte entsetzlich weiche, entsetzlich fluffige, entsetzlich plüschige und entsetzlich entzückende braune Federn und war überraschenderweise so gar nicht angepisst von der grabschwütigen 30jährigen in den komischen Klamotten, die da auf einmal die Griffel ausgestreckt und (“Vom Kopf übern Rücken, das mag sie, die tut auch nix… trauen Sie sich ruhig!”) das liebe Geschöpf angetatscht hat. Nö.

Lotte hat einfach GAR NICHT reagiert, sondern sich vom Besitzer völlig unbeteiligt hochnehmen lassen, sich von mir mit zwei Fingern (ich nämlich in höchster Panik, ich könne sie verletzen oder gar rupfen) streicheln lassen und ganz belanglos geguckt. Der Frieden in Person – in Person eines dicken braunen Hennentierchens. Also der Friede in Huhn. Besser als das Huhn in Panade, wenn ihr mich als Veganerin fragt!

Bevor ihr mich nun komplett und allumfassend als einweisungswürdig erachtet, bin ich mal wieder still und verbleibe mit glucksenden Grüßen,

Eure
Katja

PS: Falls jemand von Euch einen Braunbären in der Nachbarschaft hat – das steht auch noch auf meiner Liste.

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