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Lieber Daniel P.

Deine Mail – ich bin frei genug, sie im Originalton zu zitieren, damit auch alle wissen, worum es geht – beantworte ich zur allgemeinen Erheiterung öffentlich. Ich bin sicher, dass Du nichts dagegen hast, da es um Dein Schamgefühl ja insgesamt doch recht mau bestellt zu sein scheint.

Betreff
ich will dich live sehen
Nachricht
Ich wollte mal fragen ob man dich auch mal besuchen kann um dich glücklich zu machen

Lieber Daniel P.,

mich besuchen durchaus gelegentlich Menschen. Demzufolge ist es rein sachlich betrachtet wohl möglich, mich zu besuchen. (Q.E.D. – quod erat demonstrandum; was zu zeigen war, dem Sinn nach: Was zu beweisen war.)

Sofern da dann nicht gerade jemand von der russischen Mafia, eine aufgebrachte Nachbarin, die Zeugen Jehovas oder der Gerichtsvollzieher vor meiner Tür stehen, machen mich Besuche auch gelegentlich recht glücklich.

Was sich mir nicht erschließt:

1. Der Betreff. “Ich will Dich live sehen” – abgesehen von einem Rechtschreibe- und einem Höflichkeitsrechtschreibefehler sowie der Ermangelung eines abschließenden Satzzeichens (da gemäß der Regel Subjekt – Prädikat – Objekt der Satz vollständig zu sein anmutet) ist es schön und gut, dass Du mich live sehen möchtest. Den Wunsch haben viele Menschen primär männlichen Geschlechts. Diese wissen, dass man mich auf der Cam -ihres Zeichens auch Livecam genannt- tatsächlich live sehen kann. Warum Du das nicht zu wissen scheinst, erschließt sich mir nicht.

2. Das Anliegen. In Fortführung zu Punkt (1) (“Ich will Dich live sehen”, Fehler von der Redaktion bereinigt) scheinst Du ein beachtliches Interesse an mir zu haben. Woher kennst Du mich? Etwa von der Livecam? (Fangfrage.) Dann solltest Du, sofern Du Dich auf meiner Seite etwas umgeschaut hast, Dir darüber doch bewußt sein, dass ich keine der klassischen Prostituierten bin. Kleiner Hinweis: Auf meiner Homepage steht’s als Titel sogar drauf! “Woher kommst Du? – Aus dem Internet. Oder: Warum Camgirls keine Nutten sind.” Da steht nicht: Warum Camgirls KLEINE Nutten sind. Nein. Lies’ es nochmal.

3. Fortführung zu 1. und 2. – Ach so, ich bin ja auch in Deinen Augen keine Nutte, sondern unglücklich und brauche Deine Hilfe. Du bist ein samaritiöser Wohltäter, der einzig zum Ziel hat, mich mittels des durch ihn vollzogenen Begattungsaktes endlich einmal lächeln zu lassen.

Nun, Schätzchen, ich denke, ich könnte doch tatsächlich sehr lachen, wenn Du die Hose ‘runterlässt. Vermutlich würde ich bereits vorher lachen. Eigentlich habe ich auch schon gelacht, als ich Deine Mail las. Immerhin bestand sie aus vor Männlichkeit, Selbstbewußtsein, Eloquenz und Charme nur so strotzenden Brocken.

Ich wollte mal fragen ob man dich auch mal besuchen kann um dich glücklich zu machen

Ich wollte mal fragen Dann frag’ doch, statt herumzuwinseln. Da fehlt noch im Anschluss ein Komma. ob man dich auch mal besuchen kann Siehe oben – man kann. Wer ist in diesem Falle “man”? Redest Du von Dir? Eier in der Hose haben noch keinem Mann geschadet. Auch hier: Zwei weitere Fehler. Ah, und “mal” impliziert nicht einmal einen festen Zeitpunkt. Sehr maskulin, das! Ich werd’ schon feucht! um Dich glücklich zu machen Man -ganz allgemein- schreibt der Höflichkeit entsprechend hier das Wort “Dich” groß; ein satzbeendendes Satzzeichen fehlt.

Lieber Daniel P., darf ich Dir etwas mitteilen?

Ich bin keine Nutte. Du bist eine Lachnummer. Ich habe einen Mann. Ich bin mit meinem Mann sehr, sehr zufrieden. Er genießt das Prädikat “Katja-Glücklichmacher”. Dich brauche ich nicht, Dich will ich nicht, Du hast es geschafft, schon mit nicht einmal einem vollständigen Satz eine Mischung aus Erbärmlichkeit und Faszination an der menschlich-kognitiven Fehlfunktion zu Tage zu bringen, dass ich mir sehr lange überlegen musste, ob ich Dir persönlich antworte oder ob ich Dich doch lieber hier auf der Homepage der Lächerlichkeit preis gebe.

Wie Du siehst, ist Dir viel mehr Aufmerksamkeit zuteil geworden, als Du vermutlich geglaubt hättest, als Du mir Deine Mail durchgehackt hast.

Fazit: Und wenn Du meinst, schlimmer geht’s nicht mehr, kommt von irgendwo ein Daniel her. Fantastisch!

Fröhliches Wichsen. Gib’ Deiner zweiten Hand doch auch schon mal einen Namen, das dürfte für die nächsten Jahre die einzige Abwechslung in Bezug auf Dein Sexualleben bedeuten!

Meine Fresse.

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